Torres del Paine Wandern in Patagonien, Chile.

In Chile, Landschaft

Der Torres del Paine Nationalpark in Chile gehört zu den absoluten Trekking-Klassikern in Patagonien. Für mich die perfekte Gelegenheit, Wandererfahrungen zu sammeln und ohne Frage eines der Highlights meiner Südamerika-Reise 2015. Folgende Inhalte erwarten dich in diesem Beitrag:

An- und Abreise

Von Puerto Natales (Chile)

Viele Trekker starten von Puerto Natales aus zum Torres del Paine Nationalpark. Die Busse fahren um 7:30 Uhr morgens vom Rodoviario Puerto Fatales ab. In der Hochsaison wird noch eine weitere Busverbindung um 14:30 Uhr angeboten. Die 120 km bis zum Park bewältigen die Busse der beiden Unternehmen Buses Gómez, Buses JB, Bus Sur und Maria José in rund zwei Stunden. Nach dem Parkeingang „Laguna Amara“, bei dem der Parkeintritt (18.000 CLP) fällig wird, halten die Busse noch am Pudeto Pier (hier startet der Katamaran zum Paine Grande Refugio und Camp) und der Parkverwaltung. Die Busse zurück nach Puerto Natales fahren mittags (13:00 Uhr ab Parkverwaltung, 13:45 Uhr ab Pudeto Pier und 15:00 Uhr Laguna Amarga) und in der Hochsaison auch abends (18:15 Uhr ab Parkverwaltung, 19:00 Uhr ab Pudeto Pier und 19:45 Uhr ab Laguna Amarga). Für die Hin- und Rückfahrt werden zusammen zwischen 12.000 und 15.000 CLP fällig. Die Tickets gibt’s nicht nur bei den Busunternehmen (günstiger), sondern auch in den meisten Hostels und Hotels (etwas teurer).

Von El Calafaté (Argentinien)

Leider gibt es aus Argentinien bisher keine direkten Verbindungen in den Torres del Paine Nationalpark. Wenn du aber nicht zwei Tage verlieren willst, an denen du möglicherweise sogar noch eine zusätzliche Übernachtung in Puerto Natales einplanen musst, gibt es aber einen kleinen Trick, wie du direkt in den Park kommst. Buche dafür einfach eine der zahlreichen geführten Tagestouren von El Calafaté in den Nationalpark und zurück (Anbieter gibt es ausreichend vor Ort). Die sind zwar nicht ganz billig, dafür kannst du aber einfach aussteigen, sobald du am Parkeingang angekommen bist. Manchmal klappt es auch, dass du vereinbaren kannst, einige Tage später mit einem anderen Bus wieder zurückzufahren.

Wichtig: Die Einfuhr von Lebensmitteln aus Argentinien ist verboten. Wenn du also Campen willst, solltest du besser über Puerto Natales anreisen und dich dort mit Vorräten ausstatten.

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Camping oder Refugios?

Der Torres del Paine Nationalpark ist top erschlossen. Du kannst nicht nur auf kostenlosen und kommerziellen Campingplätzen zelten, sondern auch in Refugios (Berghütten) übernachten. Diese bieten dir neben einigem Komfort (Achtbett-Zimmer und Gemeinschaftsduschen) vor allem die Möglichkeit, das Gewicht deines Rucksacks zu reduzieren. Ohne Luftmatratze, Schlafsack und Zelt auf dem Rücken läuft es sich in der Tat um einiges leichter. Das hat aber seinen Preis. Um die 40 Euro musst du pro Nacht auf den Tisch legen, wenn du kein Zelt aufschlagen willst. Frühstück, Mittagessen (oder Lunch-Box) und Abendessen schlagen dann noch einmal in gleicher Höhe zu Buche, können aber auch weggelassen werden und stehen auch den Campern zur Verfügung. Ein Zeltplatz ist natürlich deutlich günstiger zu haben und teilweise sogar kostenlos. Die Camping-Alternative hat außerdem den Vorteil, dass es einfach mehr Campingplätze als Refugios gibt und diese in einigen Fällen sogar deutlich besser liegen. Dazu später aber noch einige Details.

Vorteile Camping: Kostengünstig bis kostenlos, mehr Auswahl und echtes Wander-Feeling.
Vorteile Refugios: Bequemerer Schlaf, bessere Sanitäranlagen und weniger Gepäck erforderlich.

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Das W

Torresdelpaine
Namensgebend für „das W“ ist die markante Form, die der Wanderweg aus der Vogelperspektive ergibt. Dieser Trek ist absolut für Anfänger geeignet. Hochambitionierte Hiker nehmen sich nur drei Tage Zeit. Üblich sind aber eher vier oder fünf Tage. Viele unerfahrene Wanderer, die mit vier Tagen auskommen wollen oder müssen, verpassen aber die echte Highlights, wenn sie nicht ausreichend Energie mitbringen. Und Zeit zum Genießen bleibt dann auch nicht viel. Ich empfehle dir insgesamt fünf Tage einzuplanen, damit du vom Trek auch wirklich was hast. Langweilig wird es wegen der atemberaubenden Landschaft auch bei niedrigem Tempo nicht!

Tag 1: Zum Mirador Base Torres (19 km)

Idealerweise hast du den morgendlichen Bus um 7:30 Uhr aus Puerto Natales genommen und kommst gegen 9:30 Uhr am Parkeingang „Laguna Amarga“ an. Die Strecke zu den Las Torres Refugios und Camps solltest du dann am besten mit einem der vielen Shuttlebusses zurücklegen (2.600 CLP). Die paar Kilometer kann man zwar auch laufen, viel zu sehen gibt es aber noch nicht und für den Rest des Tages brauchst du auch noch ein bisschen Energie.

Der bekannteste Wanderweg des Torres del Paine Nationalparks führt dich rund drei Stunden durch die abwechslungsreiche Landschaft. Nach dem Tal des Río Ascencio mit seinen urwaldigen Lenga-Südbuchen erreichst du den Aussichtspunkt über einen sehr steilen Pfad nach einer weiteren Stunde Wanderung durch ein riesiges Geröllfeld mit teils gigantischen Felsbröcken.  Am Mirador Torres del Paine wirst du mit einem beeindruckenden Blick auf berühmten die drei Granitgipfel Torres, den hängenden Gletscher und die Lagune belohnt, bevor du dich auf den rund dreistündigen Rückweg ins Tal machst.

Übernachtung im Refugio Las Torres Central, Refugio Las Torres Norte, Refugio El Chileno oder Camping im Camp Las Torres Central, Camp El Chilene (gehören alle zu Fantástico Sur) oder Camp Torres (kostenfrei). Wenn du in einem Refugio oder Camp im Tal übernachtest, kannst du den Aufstieg ohne Gepäck oder nur mit Daypack wagen.

Wichtig: Viele Touranbieter planen den ersten Tag als reinen Ankunftstag ein. Das ist Quatsch! Spätestens um 10:00 Uhr bist du im Park angekommen. Dann solltest du direkt durchstarten! Bleibe also keine zwei Nächte im Las Torres Central oder Las Torres Norte. Das ist reine Zeitverschwendung!

Tag 2: Zum Valle Frances (18 km)

Am zweiten Tag geht es dann ganz entspannt zu. Dennoch solltest du morgens früh aufstehen, um bei entsprechendem Wetter von der morgendlichen Sonne rot gefärbten Torres zu bewundern. Wenn du im Camp Torres zeltest kannst du sogar einfach eine Stunde vor Sonnenaufgang zu den Türmen aufsteigen. Der Anblick ist es gewiss wert. Aber auch aus dem Tal (Refugio Las Torres Central, Refugio Las Torres Norte und den dazugehörigen Camps) hast du einen guten Blick auf die Türme. Klare Sicht vorausgesetzt. Nach dem Sonnenaufgang (im Dezember geht die Sonne schon um 5:30 Uhr aus) dürfen sich Morgenmuffel noch eine Mütze Schlaf gönnen.
Vormittags kann es dann ganz relaxed weitergehen. Am Lago Nordeskjöld entlang führt dich dein Weg zum Refugio Los Curenos, Refugio Domo France oder in die dazugehörigen Camps (gehören alle zu Fantástico Sur). Noch besser kannst du aber zum Camp Italiano (kostenlos) weitergehen. Das sind rund sechs Stunden Wanderung zum Ausspannen

Tag 3: Durch das Valle Frances (17 km)

Am dritten Tag wird es dann wieder anstrengender. Immerhin gilt es wieder 800 Höhenmeter zu überwinden. Aber die Anstrengung ist es auf jeden Fall wert. Wer seinen Rucksack dabei hat, kann diesem im Tal beim Camp Italiano abgeben, um unbeschwert in das Herz des Paine Gebirgsmassivs vorzudringen. Nach etwa der Hälfte des Anstiegs am Mirador Frances bietet sich ein wundervoller Blick auf den Glacier France. Dieser auf mehreren Ebenen hängende Gletscher orchestriert mit donnerndem Grollen seine Kraft. Hier ist sehen, hören und staunen angesagt. In den höheren Lagen zieht die Steigung noch einmal an, während die Landschaft immer unwirtlicher wird. Nach einem abgebrannten ehemaligen Waldstück, das heute nur noch von überdimensionierten abgebrannten Streichhölzern geschmückt wird, folgen immer wieder Passagen durch dichten Wald und große Geröllfelder. Am Mirador Britannica, bilden die umwerfenden Granitgipfel und -felsen des Torres del Paine ein einmaliges Amphitheater, das für jede Anstrengung entschuldigt.

Viele laufen am gleichen Tag noch weiter zum Paine Grande (10 km). Ich empfehle dafür aber einen extra Tag im Refugio oder Camp der vorherigen Nacht einzuplanen. Dann hast auf jeden Fall die Ruhe, das bombastische Valle Frances auch wirklich in vollen Zügen zu genießen und kannst am nächsten Tag noch einmal Kraft tanken für einen anstrengenden letzten Tag.

Tag 4: Zur Paine Grande Lodge (10 km)

Wenn du dir dieses zusätzlichen Tag gönnst, erwartet dich ein unglaublich entspannter Spaziergang. Also hast du heute wieder die Chance, richtig auszuschlafen. Entlang des Lago Skottsberg geht’s in Richtung des Paine Grande. Viel Zeit für Pausen und zum Genießen des wundervollen Ausblicks. Leider führt dieser Teil der Wanderung in weiten Teilen durch verbranntes Waldgebiet. Seit dem letzten großen Waldbrand 2012, bei dem ein Urlauber versehentlich rund 20.000 Hektar Wald- und Wiesengebiet vernichtet hat, sind die entsprechenden Strafen noch einmal drastisch angezogen worden. Offenes Feuer ist jenseits der Campingplätze strengstens verboten. Übernachtung im Paine Grande Refugio oder Camp (betrieben von Vértice Patagonia).

Tag 5: Zum Gletscher Grey (30 km)

Am letzten Tag zahlt sich aus, wenn du einen Tag mehr eingeplant hast. Denn statt wie die meisten Wanderer nach 10 Kilometern nur aus der Ferne einen Blick auf den Grey Gletscher zu erhaschen, hast du genug Energie im Gepäck, um danach weiter zu wandern und dem Gletscher deutlich näher zu kommen. Dafür solltest du nach dem Mirador Grey noch ein wenig weiter Wandern. Zuvor gibt es aber schon nach rund einer Stunde Wanderung den ersten Fernblick auf die auf dem See schwimmenden Eisberge und den Grey Gletscher. Nach insgesamt rund drei Stunden kommst du am Mirador Principal an und kannst einen hübschen Blick über den Grey Gletscher und den Cordón Olguín Berg geniessen. Wenn du von hier aus noch ein bisschen (45 Minuten) weiter wanderst, gelangst du über eine spektakuläre Hängebrücke zu einem ehemaligen Camp, das dem Gletscher schon sehr nahe ist. Je weiter du jetzt wanderst, desto näher kommst du dem Gletscher. Behalte dabei aber die Zeit im Blick, weil du den gleichen Weg zurückgehen musst und um 18:00 Uhr am Paine Grande sein solltest, um deinen Rucksack abzuholen.

Um 18:30 Uhr legt der Katamaran vom Refugio Paine Grande ab und erreicht nach ca. 30 Minuten den Pier Pudeto (Kosten für die Überfahrt 15.000 CLP). Dort warten bereits die Busse für die Rückfahrt nach Puerto Natales, sodass du dort gegen 22:00 Uhr am Busbahnhof ankommst. Falls du direkt zurück nach Argentinien möchtest, solltest du mit einem der Busse bis zur Laguna Amarga fahren und dich hier wieder einer Gruppe Tagestouristen aus El Calafaté anschließen. Allerdings musst du das unbedingt vorher mit dem Tourenbieter besprochen haben!

Umgekehrt laufen

Unter den Trekkern gibt es übrigens immer wieder Diskussionen, ob man das W jetzt besser von West nach Ost oder doch von Ost nach West wandert. Die meisten Wanderer starten im Osten. Ein Vorteil der umgekehrten Route ist, dass du auf die Gebirgslandschaften zuwanderst und sie nicht im Rücken hast. Die Aussicht ist gerade bei den Strecken am Lago Skottsberg und am Lago Nordenskjöld deutlich schöner. Allerdings muss man dafür eher Gegen- als Rückenwind in Kauf nehmen. Und auch wenn du in Richtung Osten wanderst, hindert dich niemand daran, ab und zu eine Pause zu machen, um den Ausblick in Ruhe zu genießen.

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Was noch zu sagen bleibt

Wetterglück und Sonnenschutz

Das Wetter in Patagonien ist unberechenbar. Binnen eines Tages kannst du alle Jahreszeiten erleben: Regen, Sonnenschein und Schnee wechseln sich selbst im Sommer gerne ab. Sei also auf alles vorbereitet. Und selbst bei dichtester Bewölkung solltest du nicht auf Sonnenschutz verzichten. Gerade im Sommer hat die Sonne unglaublich viel Kraft.
Die beste Reisezeit ist natürlich im Sommer zwischen Oktober und April mit Durchschnittstemperaturen bis zu 11 Grad. Allerdings ist gerade die Zeit zwischen Dezember und Februar sehr überlaufen und die Preise in den Lodges steigen noch einmal ein bisschen. Im Winter zwischen Mai und September kann es bitterlich kalt werden, dafür hast du den Park dann fast für dich alleine.

Gletscherwasser, Yeah!

Ich habe tatsächlich Menschen getroffen, die Wasserkanister in den Park geschleppt haben, um ihre Trinkwasserversorgung zu sichern. So ein Quatsch. Das Wasser aus den Bächen und Flüssen im Park kannst du problemlos trinken. Sie werden von den Gletschern gespeist. Entsprechend ist die Wasserqualität unschlagbar und eisgekühlt ist das Wasser auch noch. Statt großer Kanister oder moderner Trinksysteme im Rucksack reicht eine Tasse oder kleine Trinkflasche. Allerdings solltest du vorsichtshalber darauf achten, nicht unmittelbar unterhalb eines Camps Wasser zu entnehmen, weil einige Camper ihr Geschirr direkt im Gletscherwasser waschen.

Kurze aber atemberaubende Nächte

Im Sommer sind die Nächte im Torres del Paine naturgemäß recht kurz und wirklich dunkel ist es nur zwischen 2:00 und 4:00 Uhr. Wenn sich abends eine klare Nacht ankündigt solltest du zwischendurch auf jeden Fall einen Wecker stellen und dich aus dem Bett quälen. Dieser Sternenhimmel ist es sowas von wert! Einfach umwerfend. Wer sich die Chance entgehen lässt, in einem der am wenigstens besiedelten Gebiete der Welt einen unfassbar klaren Sternenhimmel zu genießen, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Preise in den Mini-Supermärkten

In den Refugios des Parks gibt es kleine Supermärkte, die so ziemlich alle Produkte anbieten, die das Wanderer- und insbesondere das Camperherz begehrt. Naturgemäß sind die Preise allerdings ziemlich gesalzen. Süßigkeiten (Snickers oder Schokoriegel) liegen zwischen 1.000 und 2.000 CLP, während Softdrinks rund 2.000 CLP kosten. Ein Bier schlägt je nach Sorte mit 2.000 bis 3.000 CLP zu Buche.

Rucksack Packen zum Wandern im Torres Del Paine

In einem eigenen Blogpost habe ich für dich eine kleine aber feine Packliste zusammengestellt. Wenn du alles einpackst, was ich dir dort empfehle, bist du perfekt vorbereitet für deine Reise in den Torres del Paine Nationalpark.

Weitere Infos im Netz

Leseempfehlungen

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