Roadtrip durch Marokko Berge, Wüste, Stadt und Meer.

In Marokko

Ein Roadtrip durch Marokko? Klingt erstmal nicht so unglaublich naheliegend. Auch ich hatte Marokko bisher nicht wirklich auf dem Schirm. Die Idee zu einem Roadtrip durch Marokko kam bei einem meiner abendlichen Ausflüge auf Skypicker, meiner absoluten Lieblingsseite für echte Billigflüge. Und siehe da: Ryanair bietet super günstige Verbindungen nach Marrakesch ab Düsseldorf Weeze und Frankfurt Hahn an. Schnell war eine passende Woche mit günstigen Flügen gefunden. Stopover in London inklusive.

Berge, Wüste, Meer und Stadt in fünf Tagen

Was macht man in diesem vielfältigen Land, wenn man nur knapp fünf Tage zur Verfügung hat? Schnell wird klar: Nicht liegt näher als ein cooler Roadtrip durch Marokko. Weil wir keinen Bock hatten, in Marokko total über den Tisch gezogen zu werden, haben wir schon vor unserer Abreise einen Mietwagen bei einem der bekannten Vergleichsportal (mietwagencheck.de oder Kayak) rausgesucht und letztlich über CarDelMar gemietet. Auf’s Navi haben wir verzichtet und stattdessen auf ein Offline-Navi für’s Handy gesetzt (Apple App Store oder Google Play Store).

Ankunft in Marrakesch

Ausgangspunkt unserer Roadtrips war Marrakesch. Nach dem Einreiseprocedere (ein Visum brauchst du nicht), geht’s raus dem Flughafen und ein paar Meter wieder rein, um zu den Schaltern der Autovermietungsgesellschaften zu kommen. Und schon geht es los mit dem typischen Touristen-Nepp. Der Mitarbeiter von Avis legt uns vier Zettel vor mit den Worten „sign here, here, here and here“. Glücklicherweise haben wir aber erkannt, dass er uns gerade noch eine zusätzliche Versicherung andrehen wollte, obwohl wir über CarDelMar schon voll versichert waren (inkl. Rückerstattung des Selbstbehalts). Insgesamt hat die ganze Angelegenheit dann doch 45 Minuten gedauert – im Grunde war es eine völlig sinnfreie Diskussion mit dem Mitarbeiter von Avis. Aber die 150 Euro für die nutzlose Zusatzversicherung haben wir uns damit immerhin gespart.

Auf ins Atlasgebirge

Mittags waren wir endlich mit unserem Premiumfahrzeug – einem Dacia Logan – unterwegs. Nach einem kurzen Zwischenstopp zwecks Nahrungsaufnahme ging’s direkt auf die Strecke Richtung Süden ins Atlasgebirge. Genau genommen den Hohen Atlas mit über 4000m hohen Gipfeln. Sattes Grün und fliegende Händler prägen die wunderschöne Landschaft. Die Händler bieten an den Passstraßen  Mineralien aller Art an.

Foto des Altasgebirges
Der erste Zwischenstopp auf dem Weg durch das Atlasgebirge

Nach knapp vier Stunden Fahrzeit sind wir in weniger begrünten Gefilden angekommen. An den südlichen Ausläufern des Atlasgebirges stoßen wir auf Aït Ben Haddon, eine mittelalterliche Berber-Stadt, die im Sonnenuntergang mit dem sie tragenden Felsen zu einer Einheit verschmilzt. Nicht zu Unrecht seit 1987 ist Aït Ben Haddou UNESCO Weltkulturerbe. Auf dem Foto kann man erahnen, dass der Fluss Wadi Draa in der Marokkanischen Wüste die Lebensader für Mensch und Natur ist.

roadtrip-marokko-aitbenhaddou
Aït Ben Haddou

Von Aït Ben Haddou aus sind wir weiter nach Ouarzazate gefahren. Dort haben wir nach einem ausgiebigen Besuch des Markts im Stadtteil Tarmigte in der örtlichen Jugendherberge des Internationalen Jugendherbergsverbands übernachtet. Sagen wir es mal so: Es war ein besonderes Erlebnis. Der Standard liegt noch mal ein ganzes Stück unter dem bekannten internationalen Hostel-Standard, was sich insbesondere bei den Sanitäranlagen zeigt. Aber für eine Nacht war’s okay. Kostenpunkt: 6 Euro pro Person.

Die Wüste naht

Am nächsten Tag sind wir gemütlich entlang des Draa-Tals nach Zagora weitergefahren. Wir haben uns viel Zeit für Zwischenstopps gelassen und intensiv die Veränderung der Landschaft beobachtet. Nach drei Stunden Fahrzeit sind wir bereits in Zagora angekommen, sodass wir uns noch einen Abstecher ins etwas südlicher gelegene Tamegroute gegönnt haben.

roadtrip-marokko-atlasgebirge-2
Veränderung der Landschaft: Wir nähern uns der Sahara

Unser Ziel war natürlich die Sahara. Weit im Süden in M’Hamid sind die Saudünen zwar beeindruckender als um Zagora (bis zu 300 Meter Höhe), aber das hätte drei weitere Fahrtstunden bedeutet, die wir am nächsten Tag auch hätten wieder zurückfahren müssen. Also haben wir in Zagora nach einem Camp Ausschau gehalten und davon gibt es ziemlich viele. Letztlich haben wir uns für Karim Sahara entschieden und waren damit super zufrieden. Die Übernachtung kostet hier 15 Euro pro Person. Abendessen in der Wüste noch einmal 10 Euro pro Person. Und eine einstündige Kamel-Tour schlägt ebenfalls mit 10 Euro zu Buche. Darauf haben wir allerdings verzichtet.

 

roadtrip-marokko-sahara-2
Die Düne direkt neben unserem Wüstencamp

Zum Atlantik nach Agadir und Taghazout

Am dritten Tag unseres Roadtrip durch Marokko erreichen wir nach sechs Stunden Fahrzeit durch deutlich flachere und noch weniger besiedelte Landschaft die Hafenstadt Agadir. Agadir ist mit seinem Strand und der dazugehörigen Promenade ziemlich touristisch geprägt. Im Hafen finden sich beim Fischmarkt einige schlichte Restaurants, die zu wirklich günstigen Preisen tolle Grillplatten anbieten. Allerdings ist schon bei der Bestellung absolute Vorsicht geboten. Die Damen und Herren probieren alle Tricks, um ahnungslosen Touristen ein paar Scheine aus der Tasche zu ziehen. Versucht am besten Missverständnisse gar nicht aufkommen zu lassen und fragt lieber fünf mal nach dem Preis. Wir durften mitbekommen, wie unsere Sitznachbarn am Ende das vierfache zahlen mussten, weil sie sich einfach haben auftischen lassen. Der Fisch war trotzdem super lecker und richtig frisch. Sehr empfehlenswert.

Nach der Stärkung in Agadir sind wir nach Taghazout weitergezogen. Taghazout ist ein kleines ehemaliges reines Fischerdorf, das heute vor allem vom Surf- und Badetourismus lebt. An wirklich jeder Ecke gibt es in diesem Dorf einen Surf-Laden. Eine sehr spezielle, aber angenehm entspannte Atmosphäre. Seitdem sich Taghazout zum Surfspot entwickelt, teilen sich Touristen und einheimische Fischer den Strand und das Meer. Das Taghazout Beach Hostel, in dem wir untergekommen sind, war absolut in Ordnung und konnte vor allem mit dem Ausblick von der Dachterrasse überzeugen. Kosten: 10 Euro pro Person und Nacht.

roadtrip-marokko-taghazout
Geniale Aussicht vom Hostel in Taghazout

Alex und Elena von auszweit.de hatten mir im Vorfeld Zen Surf Marokko empfohlen. Wir haben uns die Location zumindest kurz angeguckt und das Surf- und Yoga-Camp hat tatsächlich einen sehr netten Eindruck gemacht. Wer eine Woche surfen gehen will, der ist hier bestimmt sehr gut aufgehoben. Kosten: Ab 25 Euro pro Person und Nacht.

Zurück nach Marrakesch

Am nächsten Tag ging es für uns über eine super ausgebaute Autobahn ruck-zuck zurück auf Start nach Marrakesch, wo wir die letzten anderthalb Tage im Kaktus Hostel verbracht haben.

Marrakesch bietet unglaublich viele Möglichkeiten. Leider hatten wir etwas Pech mit dem Wetter, sodass unser Highlight der Besuch einem lokalen Hammam war. In Marrakesch wird man übrigens den ganzen Tag von irgendwelchen Touri-Schleppern mit „My friend“ und „Good price“ genervt. Einfach ignorieren ist die Reaktion der Wahl. Es hilft auch die arg touristischen Plätze zu meiden und stattdessen etwas außerhalb der Stadtmauern der Altstadt unterwegs zu sein.

Was dich auf Marokkos Straßen erwartet

Für deinen Roadtrip durch Marokko ist natürlich wichtig zu wissen, wie der Straßenverkehr dort aussieht. Aber Marokko ist insofern ein echt entspanntes Ziel. Die Straßen sind selbst in der Sahara überwiegend super ausgebaut. Natürlich wirkt der Verkehrsfluss gerade in der Stadt nach europäischen Maßstäben ziemlich chaotisch. Aber im Grunde läuft alles flüssig, ohne Hektik und ohne übermäßigen Gebrauch der Hupe. Es braucht nur ein paar Minuten und du hast dich daran gewöhnt, dass die Fahrbahnmarkierungen eher unverbindliche Empfehlungen und Esel gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind. Ansonsten gilt aber das Recht des Stärkeren oder zumindest Nervenstärkeren.

Auf Überlandfahrten entschärft sich die Situation noch weiter. Weil eh nur wenige Fahrzeuge unterwegs sind, brauchst du auf andere Verkehrsteilnehmer kaum zu achten. Wenn doch mal wer entgegenkommt und etwas mit der Hand fuchtelt oder die Lichthupe benutzt, dann solltest du den Fuß vom Gas nehmen. Entweder wartet nach der nächsten Kurve eine der zahlreichen Geschwindigkeitskontrollen oder tierische Verkehrsteilnehmer haben es sich auf der Straße gemütlich gemacht. Ignorieren solltest du die Zeichen der entgegenkommenden Fahrer jedenfalls besser nicht.

Und wo wir gerade bei der Polizei sind: Neben Geschwindigkeitskontrollen hat die in Marokko noch ein großes Hobby. Allgemeine Verkehrskontrollen. Vor fast jedem noch so kleinen Ort warten sie auf Kundschaft. Denn gilt es, wieder den Fuß vom Gas zu nehmen und mit ca. 15 km/h auf die Kontrolle zuzufahren. Wir wurden aber immer mit einer freundlichen Handgeste einfach durchgewinkt.

TAnken und Parken

Getankt wird in Marokko noch vom Tankwart, dem du vorher sagst, zu welchem Preis du tanken möchtest oder ob er den Tank komplett voll machen soll. Voll heißt hier übrigens wirklich voll. Bis bei unserem Dacia der erste Strich der Tankfüllangabe verbraucht war, dauerte es geschlagene 300 Kilometer. Mit geschickter Tankbefüllung lässt sich also bei der Mietwagenrückgabe noch ein bisschen Geld sparen 😉

Ein kleines Ärgernis gibt es beim Autofahren in Marokko allerdings noch. Das sind die Parkgebühren. Sie werden von irgendwelchen komischen Parkwächtern unnachgiebig eingesammelt. Wobei der Preis immer auch Verhandlungssache ist. Einfach abhauen funktioniert übrigens nicht. Haben wir probiert. Da haben die Herren uns zackig ein parkendes Auto in den Weg geschoben. Einen Versuch war’s trotzdem wert. In Taghazout wurden zehn Dirham pro Tag fällig, in Marrakesch waren es 20 Dirham. Ob man noch weiter hätte verhandeln können, wissen wir natürlich nicht.

Noch mehr Möglichkeiten

Ryanair und andere Low-Cost-Airlines bieten wirklich viele Verbindungen in die unterschiedlichsten Städte Marokkos an. Mit ein bisschen Sucherei kannst du auch Verbindungen finden, bei denen der Rückflug nicht vom Ankunftsort aus startet. Das eröffnet dir noch viel mehr Möglichkeiten, deinen Roadtrip durch Marokko zu gestalten. Denk dabei aber auch daran, dass die Rückgabe des Autos bei einer anderen Mietwagenstation etwas teurer sein kann.

Surf- Und Lesetipps

Too long, didn’t read

  • Mach einen Roadtrip durch Marokko, wenn du viel vom Land sehen willst.
  • Bei der Automiete darauf achten, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Oft wollen auch namhafte Anbieter unnötige Versicherungen andrehen.
  • Die Straßen sind überwiegend in einem sehr guten Zustand. Ein 4×4 ist also nicht notwendig. In den Städten wirkt der Verkehr chaotisch, fließt aber mit einer erstaunlichen Leichtigkeit. Einfach die eigene Fahrweise anpassen!
  • Vorsicht mit Geschwindigkeitsübertretungen: Es gibt viele Kontrollen. Entgegenkommende Autofahrer waren vor solchen Kontrollen mit Lichthupe oder Handzeichen. Kann aber auch eine Warnung vor einer unerwartet kreuzenden Ziegenherde sein.
  • Vor Ortseingängen finden Polizeikontrollen statt. Runter vom Gas, den Polizeibeamten freundlichen anlächeln, als Tourist erkannt und einfach durchgewunken werden.
  • Sei auf der Hut, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Frag lieber fünfmal nach, ob der Preis wirklich stimmt. Sonst erwartet dich noch eine Servicegebühr, Steuer oder ähnliches. Nachverhandeln ist dann aussichtslos.
  • Lade dir vor deinem Reise-Antritt unbedingt ein Offline-Navigationssystem auf’s Handy (Apple App Store oder Google Play Store).

9 Kommentar

  1. Wenn wir gewusst hätten, wo du wieder überall warst, hätten wir uns Sorgen gemacht.
    Dennoch: Lebe deine Freiheit!!
    Deine Eltern

    • Danke, aber bei der Route müsst ihr euch wirklich keine Sorgen machen. Das sagt auch das Auswärtige Amt 😉

  2. Sehr schöner Blog. Viel Spaß beim Reisen ! Wie wäre es mal mit Myanmar 😉

  3. Hi Till, super interessanter Bericht! Zusammen mit einer Freundin will ich Ende des Jahres genau diese Route fahren. Mir kommen die Tagesstrecken aber teilweise sehr lang vor, war das kein Problem, z.b. an einem Tag von Zagora nach Agadir zu fahren? Ich bin dir um jeden Tipp dankbar, liebe Grüße Leslie 🙂

    • Hi Leslie!

      Danke für deinen lieben Kommentar. Ja klar, vor allem die Strecke von Zagora nach Agadir ist ziemlich lang. Wenn man aber morgens früh startet, ist man am späten Mittag schon am Ziel. Du kannst sicher überall auch noch ein paar Zwischenstopps einbauen. Ob sich das aber wirklich lohnt, weiß ich mangels eigener Erfahrung natürlich nicht. Vermutlich ergibt es dann aber mehr Sinn noch andere Ziele wie Fes, Casablanca oder Tanger anzusteuern…

      Ich fand die Fahrten übrigens überhaupt nicht anstrengend. Die Straßen sind gut ausgebaut und Verkehr gibt es quasi gar nicht. Wenn man sich mit dem Fahren abwechselt und liebe Mitfahrer hat, ist auch das Autofahren großer Spaß 😉

      • Hey Till, das ist gut zu wissen! Andere Ziele kommen für uns eigentlich nicht in Frage, wir wollen einfach Wüste und Meer sehen innerhalb 9 Tagen 🙂 vielen Dank für deine Antwort!

    • Hey Leslie und Till! Wir überlegen auch als zwei Mädels nach Marokko zu fahren. Wie beurteilt ihr die Sicherheitslage? Kann man sich in den Städten und auch in der Wüste als Frau sicher fühlen?

      • Hi Johanna! Das ist eine gute Frage über die ich neulich noch länger mit meinem Mitfahrer diskutiert habe. Ich bin da eher entspannt. Marokko ist nicht Indien. Aber dennoch sollte man als Frau wachsam sein und darauf achten, nicht allein unterwegs zu sein. Viel Spaß in Nordafrika!

Schreibe einen Kommentar

Newsletter abonnieren

Trag dich jetzt noch schnell in den Newsletter ein und bleib regelmäßig auf dem Laufenden.
Kein Spam. Maximal eine E-Mail im Monat. Versprochen!

Du erhältst jetzt eine E-Mail zur Bestätigung!

Pin It on Pinterest