Citywalk durch São Paulo Zu Fuß in Brasiliens Megacity.

In Brasilien

São Paulo breitet sich in einer ungeahnt verschlingenden Vielfalt vor mir aus. Diese Stadt zu erlaufen, heißt sie mit allen Sinnen als architektonische Chaos-Knäuel mit menschlichem Gesicht zu erleben. Bittere Armut und verschwenderischer Reichtum, eingewanderte Europäer und Nachfahren indigener Stämme, Abgehängte und digitale Bohème – in São Paulo teilen sie sich eine Adresse. Das Wirrwarr des Großstadtdschungels raubt scheinbar jede individuelle Identität. Mensch und Stadt werden eins. Wie das sein kann, verstehst du nirgendwo so gut wie in São Paulos Hochhausschluchten. Wenn du sich gerne treiben lässt, bietet dir ein Stadtrundgang die perfekte Möglichkeit den urbanen Puls zu spüren und der Seele der Stadt näher zu kommen. Meine Tipps für’s Sightseeing in São Paulo.

CityMap São Paulo

Starte deinen Spaziergang durch São Paulo

Der beste Ausgangspunkt für einen Citywalk durch São Paulo ist der Praça da República mit der gleichnamigen Metrostation. Von dort aus geht weiter zum Edifício Itália, einem der höchsten Gebäude der Stadt. Der Besuch der Dachterasse ist zwar nicht kostenlos, aber in jedem Fall lohnenswert. Von dort aus hat man einen bereits den perfekten Blick auf eines von Oscar Niemeyers Meisterwerken, das geschwungene 60er-Jahre-Monument Edifício Copan (3sat nennt es schlicht Wohnwelle, Spiegel Online spricht lieber von der Betonwelle). Nach dem Blick von oben, sollte man der Wohnmaschine auch noch einen unmittelbaren Besuch abstatten. Für mich ist es immer wieder unvorstellbar, wie in einem Haus 5000 Menschen leben können. Das Copan-Gebäude ist ein Sinnbild der Verdichtung, des Glanzes aber auch der Abgründe São Paulos. Leider war es bei meinem Besuch zu einem erheblichen Teil in ein Baugerüst gehüllt, sodass ich kein schönes Foto präsentieren kann.

Der Blick vom Edifício Italia: Hochhäuser bis zum Horizont.
Der Blick vom Edifício Italia: Hochhäuser bis zum Horizont.

Als nächstes wartet der Praça Dom José Gaspar mit der Biblioteca Mário de Andrade. Danach kannst du weiter zum barocken Theatro Municipal. Von dort führt die Eisenbrücke Viaduto do Chá über eine der Hauptverkehrsstraßen São Paulos zur Prefeitura do Município de São Paulo, der Stadtverwaltung. Am benachbarten Praça do Patriarca liegt die Igreja Santo Antônio-Patriarca, São Paulos Hauptkirche. Durch enge Häuserschluchten geht es danach zur rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität, der Faculdade de Direito de Universidade de São Paulo. Ein Blick ins Innere der Fakultät lohnt sich, weil sich hier inmitten der Großstadt eine Oase der Ruhe auftut.

Weiter zum Praça de Sé

Danach spazierst du weiter zur pompösen Kathedrale da Sé mit dem angrenzenden Praça de Sé. Hier ist’s wuselig und ungemütlich, aber durchaus beobachtenswert. Allerdings ist rund um den Praça de Sé wegen der vielen Taschendiebe und Kleinkriminellen erhöhte Vorsicht geboten.

Danach geht’s zum Kultur- und Verwaltungskomplex Caixa Economia Federal. Von dort ist es zu Fuß ein Katzensprung zum Solar da Marquesa de Santos, einer Stadtvilla in der die Geliebte von Kaiser Peters I. von Brasilien ihren Lebensabend verbracht hat.

Das Hochhausviertel um das Art-déco-Gebäude Banespa und das Edifício Martinelli. Einige der Hochhäuser bieten Dachterrassen mit einem perfekten Rundblick. Jedenfalls der Weg ins oberste Stockwerk des Martinelli-Hochhauses ist kostenlos. Das solltest du dir nicht entgehen lassen.

Über den Parque Anhangabaú führt dich der Weg zurück in den nord-westlichen Teil des Zentrums zur Irmandade de Nossa Senhora do Rosário dos Nomens Pretos, mit dem Monument der schwarzen Mutter, die ein weißes Kind stillt, während ihre eigenen Kinder hungern müssen. Mit diesen Eindrücken geht es abschließend zurück zum Ausgangspunkt, den Praça da República.

Sicherheit in São Paulos Zentrum

Die Sicherheitssituation in São Paulo ist natürlich nicht mit der in Europa zu vergleichen. Gerade allein habe ich mich nicht unbedingt immer und überall besonders sicher gefühlt. Bist du in einer Gruppe unterwegs, fühlst du dich definitiv sicherer. Allgemein solltest du an Wochenenden und nach Geschäftsschluss nicht allein durch die City spazieren sein. Aber auch tagsüber kommen regelmäßig Überfälle vor. Zwar ist die Kriminalität gerade in São Paulo in den vergangenen Jahren wegen verstärkter Polizeipräsenz deutlich zurückgegangen. Dennoch musste ich feststellen, dass nicht wirklich viele Polizisten zu sehen sind. Allerdings soll die wohl auch überwiegend in zivil unterwegs sein.

Viele Passanten haben mich übrigens super freundlich angesprochen. Sie wollten mich darauf hinzuweisen, dass es sinnvoll wäre, meine Kamera lieber in der Tasche zu transportieren, anstatt sie in der Hand zu halten. Einerseits hat mich das beruhigt, weil die Menschen um mich herum also durchaus aufmerksam sind. Andererseits muss an den Warnungen ja auch irgendwas dran sein. Das ist nicht sonderlich beruhigend…

Beste Reisezeit für São Paulo

São Paulo hat das ganze Jahr hindurch angenehme Temperaturen zu bieten. Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur liegt durchweg über 20 Grad, selbst im brasilianischen Hochsommer zwischen Dezember und Februar wird es nicht viel wärmer. Allerdings liegt auch die Luftfeuchtigkeit ganzjährig über 80 Prozent. Was den Regen anbelangt, so musst du zwischen November und März regelmäßig mit Regen rechnen (es kommt fast jeden zweiten Tag was vom Himmel). Den Rest des Jahres regnet es deutlich weniger. São Paulo kannst du also ganzjährig gut besuchen, ohne dir zu viele Gedanken zum Wetter machen zu müssen. Wenn du die Zeit selbst aussuchen kannst, empfehle ich aber Die Monate April, Mai und September, Oktober für sommerliche Temperaturen und wenig Regen.

Restaurant- und Hosteltipps für São Paulo

  • Im Zentrum ist die Auswahl guter Restaurants nach meiner Erfahrung eher überschaubar. Nach deinem Citywalk durch São Paulo bietet es sich also an, zur Stärkung einen anderen Stadtteil aufzusuchen.
  • Hippe Restaurants gibt’s im gentrifizierten Vila Madalena. Lass dich einfach treiben und schau dich um, du wirst an fast jeder Ecke etwas Einladendes finden.
  • Ebenfalls empfehlenswert sind die Seitenstraßen der Avenida Paulista in der Nähe des Zentrums.
  • Genial ist der Feirinha Gastronômica! Leider findet diese Food-Meile nur jeden Sonntag statt, bietet aber neben brasilianischen Gerichten auch andere südamerikanische Genüsse. Eine wunderbare Beschäftigung, sich hier durchzufuttern. Schau’s dir auf Facebook an.
  • Ein weiterer toller Markt ist in Liberdade, der größten japanischen Stadt außerhalb Japans, zu finden. Immer sonntags gibt es hier japanische Köstlichkeiten und allerlei Kitsch zu kaufen. Definitiv einen Besuch wert. Auch zu diesem Markt gibt es eine eigene Facebook-Seite.

Surf- und Lesetipps

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