La Biennale di Venezia Meine Lieblingswerke aus diesem Jahr.

In Austellungen, Italien, Kunst

Ein paar Bilder von der Biennale habe ich ja bereits auf Instagram gepostet. Die Auswahl dort war naturgemäß relativ willkürlich und ich will es nicht versäumen, dir mein persönliches Best-Of vorzustellen. Acht Werke, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Acht Werke die von mir aber auch das Premiumsiegel „Schön Anzugucken“ verliehen bekommen 😃

Hängende Körper

Georg Baselitz: Fällt von der Wand nicht (All the World’s Futures)

Fangen wir mal mit dem von Georg Baselitz ironisch mit „Fällt von der Wand nicht“ betitelten Werk an. Die acht mit Ausmaßen von 4,80 x 3,00 Metern monumentalen Leinwände werden jeweils von einer nackten kopfüber stehenden Figur auf schwarzem Grund geziert. Die gewaltige Ästhetik der Ganzkörperportraits des deutschen Künstlers hat etwas kathedralenhaftes. Nackte Männer isoliert auf ihrer schwarzen Leinwand – unverkennbar verarbeitet Baselitz in seinem Beitrag weiter eigene Kriegserfahrungen.

Farbige Streifen aus der Türkei

Sarkis: Respiro (Türkischer Pavillon)

Der mutige Beitrag von Sarkis mit dem Titel „Respiro“ thematisiert nicht nur den Völkermord in Armenien, sondern provoziert zugleich mit zwei übergroßen Neon-Regenbögen, die wie Altare wirken. Und das im türkischen Pavillon! Der politische Skandal ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Den klugen Umgang mit dieser diplomatischen Herausforderung kann man in einem Bericht der Kuratorin des türkischen Pavillons nachlesen. Und zwar im Nafas Kunstmagazin des Instituts für Auslandsbeziehungen.

Ein Boot voller Schlüssel

Chiharu Shiota: The Key in the Hand (Japanischer Pavillon)

Wow! Was für ein Blickfang! Chiharu Shiotas „The Key in the Hand“ im japanischen Pavillon ist umwerfend. In einem roten Spinnennetz, das sich aus zwei Fischerbooten entspinnt und im gesamten Ausstellungsraum ausbreitet, hat die in Berlin lebende Shiota verschiedene Schlüssel eingeflochten. Die Schlüssel können vieles bedeuten: Was uns wichtig ist? Unser Hab und Gut? Unsere Geheimnisse? Oder alles zusammen? Jedenfalls gleicht kein Schlüssel dem anderen. Unweigerlich drängt sich die Frage auf: Retten die Boote die Schlüssel oder flüchten sie aus ihnen? Aktuell lässt sich dieses ästhetische Meisterwerk offenkundig auch mit der europäischen Flüchtlingskrise in Bezug setzen.

Iranische Entschuldigung

Abdel Abidin: I’m Sorry (Iranischer Pavillon)

Ein blickendes „I’m Sorry“ präsentiert Abdel Abidin im iranischen Pavillon, der sich, nebenbei bemerkt, unerwartet spritzig, reflektiert gar systemkritisch zeigt und damit für mich die größte Überraschung der Biennale ist. Der aus dem Irak stammende Künstler verarbeitet mit der flackernden Entschuldigung seinen ersten U.S.A.-Besuch. Häufig hätten die Menschen dort mit „I’m sorry“ reagiert, wenn sie herausgefunden hätten, dass er aus dem Irak stamme. Die weiß-rot-blaue Farbwahl der Beleuchtung ist also alles andere als zufällig. Dass die Kuratoren des iranischen Pavillons diese Installation nun auf dem ersten iranischen Pavillon in Venedig zeigen, lässt Raum für tiefere Interpretationen.

Wäschetrocknen im Haus

Krishna Luchoomun: From Birth to Death (Mauritischer Pavillion)

In Venedig gehören sie ebenso ins Stadtbild wie der Markusplatz: Über die Straße gespannte, gut bestückte Wäscheleinen. Krishna Luchoomun greift dieses Bild auf und spannt im Mauritischen Pavillon eine Wäscheleine. Der Titel „From Birth to Death“ lässt auf den ersten Blick kaum Raum für Interpretation. Dennoch gelingt es Krishna Luchoomuns schnöde Leine in der feudalen Umgebung Fragen rund um die Themen Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu stellen.

Die Apotheke in der Kunst

James Beckett: Negative Space, A Scenario Generator for Clandestine Building in Africa (Belgischer Pavillon)

James Beckett formuliert mit „Negative Space: A Scenario Generator for Clandestine Building“ im belgischen Pavillon eine harsche Kapitalismuskritik. In einem automatisierten Lagersystem, wie wir es aus modernen Apotheken kennen, zeigt er kleine Holzblöcke, die moderne Bauten in Afrika repräsentieren. Ihr Volumen richtet sich nach dem in diesen Gebäuden ungenutzt bleibenden Raum. Sein Kommentar adressiert die Probleme des Kapitalismus, vorhandene Freiräume aufzuspüren und sozial zu nutzen, ebenso wie die Fehlbarkeit der Automatisierung.

Unter Wasser in der Halle

Vincent Huang: Crossing the Tide (Tuvaluischer Pavillon)

Der tuvaluische Beitrag stammt vom taiwanesischen Ökokünstler Vincent Huang. Tuvalu, vielen bekannt durch die Domainendung .tv, gilt als der Staat mit dem höchsten Risiko in seiner Existenz dem Klimawandel zum Opfer zu fallen. Die acht Pazifikinseln sind in der Tat massiv vom steigenden Meeresspiegel bedroht. Vincent Huang findet einen unfassbar simplen Weg, die Situation Tuvalus greifbar, ja erfahrbar, zu machen. Er hat den tuvaluischen Pavillon mit Wasser fluten lassen und Stege installiert, die gerade über den künstlichen Meeresspiegel reichen. „Crossing the Tide“ zeichnet so ein Bild vom untergehenden Inselstaat, das sich festbrennt. Besser können Teilnehmerstaat und Künstler kaum zusammenfinden.

Tron im Keller

Hito Steyerl: Factory of the Sun (Deutscher Pavillon)

Der deutsche Pavillon begrüßt seine Besucher von außen mit bekannt monomentaler NS-Architektur. Das von vier gewaltigen Rechteckpfeilern eingefasste Portal bleibt dieses Jahr allerdings verschlossen. Die Gäste werden stattdessen über den Notausgang eine Wendeltreppe hinauf in die obere Etage des Baus geschickt. Ein frappierender Bruch mit den Erwartungen des Publikums, der sich auch im Innenausbau des pseudosakralen Gebäudes manifestiert. Der zweckmäßige Industriecharme kontrastiert den überhöhten nationalsozialistischen Neoklassizismus der Fassade. Ein zentral angelegtes Treppenhaus führt in den Bauch des Pavillon, in dem mit der Videoinstallation von Hito Steyer die Hauptattraktion des deutschen Beitrags aufgebaut ist. In einem Tron-artig beleuchteten Raum werden die Besucher von bequemen Liegen eingeladen, sich die bissige Installation „Factory of the Sun“ anzuschauen. Das 23-minütige Video führt ästhetisch in die Welt des Internets. Mit spielerischer Ironie baut Steyerl die Spielwiese Netz nach und karikiert die Chancen der Digitalisierung ebenso wie dessen Risiken.

Deine Erfahrungen von der Biennale?

Warst du auch auf der diesjährigen Kunst-Biennale? Welche Werke fehlen dir in meiner Aufzählung, welches gehört für dich nicht zu den Highlights? Warst du in den Vorjahren auf der Biennale di Venezia und erinnerst dich an besondere Installationen oder Bilder? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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